Klares Nein gegen Stromtrassenpläne
Suedostlink-Variante durch Großteil der Gemeinde Langenwetzendorf erhitzt Gemüter in Gemeinderatssitzung

Mit Ihrer Unterschrift widersprechen Sie dem Bauvorhaben und unterstützen die Bürgerinitiative in unserer Verwaltungsgemeinde Langenwetzendorf!

Folgende Unterschriftenlisten stellen wir Ihnen zur Verfügung:

- Einzelunterschrift
- Sammelunterschriften

Bericht aus der Tageszeitung
Quelle: OTZ vom 27. April 2017 / Autor: Rebecca Rech

Bei weitem reichten zur Gemeinderatssitzung in Langenwetzendorf am Montagabend die Besucherplätze nicht, so viele Bürger nutzten die Gelegenheit, ihre Bestürzung und Unmut auszudrücken. Nicht etwa die aktuelle Tagesordnung hatte die Anwohner angelockt, sondern die aktuellen Pläne der Netzagentur 50Hertz. Der neueste Vorschlag für den Verlaufskorridor der Starkstromtrasse Suedostlink geht nicht nur mitten durch den Landkreis Greiz, sondern vor allem durch die Gemeinde Langenwetzendorf. Beginnend bei Wittchendorf soll sich dieser über Wildetaube, Neugernsdorf, Nitschareuth, Daßlitz, Zoghaus, Erbengrün und Wellsdorf gen Dobia und Büna ziehen (graue Markierung auf der Karte). „In der Masse hätte ich mir schon häufiger Besucher gewünscht, etwa wenn es um Themen wie die Gebietsreform ging", zeigte sich Bürgermeister Kai Dittmann (CDU) vom großen Zulauf begeistert – und auch von der Bürgerbeteiligung ohne offizielle Aufforderung. So konnten an dem Abend bereits über 400 unter anderem von Gemeinderatsmitgliedern gesammelte Unterschriften gegen die Trassenpläne dem Gemeindeoberhaupt übergeben werden. 

Offiziell informiert sei Dittmann von dem neu favorisierten Verlauf durch die Gemeinde erst in der vergangenen Woche durch eine Einladung zur Antragskonferenz worden. Zwar sei ihm die Route schon einmal bei einer Beratung im Landratsamt vorgelegt worden, jedoch als ein Plan von vielen. „Die damalige favorisierte Trassenführung hat die Gemeinde in keinster Weise tangiert", so der Bürgermeister, also habe man diese lediglich zur Kenntnis genommen. Nun aber wolle man für heftigen Widerstand sorgen, kündigte er für die nächste Sitzung den Beschluss an, sich geschlossen gegen die Pläne zu stellen und eine Bürgerversammlung zur weiteren Information zu nutzen. „Wir haben schon genug Probleme – etwa durch Krebs bei jungen Leuten. Wir müssen nicht noch solche Gefahren dazu bekommen. Letztendlich finanzieren wir die Leitungen, wer braucht diese überhaupt?", meldete sich ein Wittchendorfer zu Wort. „Wir brauchen die Leitungen hier nicht, auch in Bayern, wo sie hin sollen, werden sie auch nicht gebraucht – sie werden aber subventioniert. Ich sehe darin eine reine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme", so Dittmann und fügte hinzu: „Es ist beschämend, dass auf Kosten unserer Landschaft hier Böden zerstört werden." Denn für die Verlegung der Erdkabel sind massive Eingriffe in die Landschaft notwendig, die dem Bau einer Bundesstraße gleichkommen. Die angekündigten Temperaturschwankungen der Betreiber von 10 bis 15 Grad bezweifelte  das  Gemeindeoberhaupt und sprach von 60 bis 80 Grad, ebenso rechnet er durch die Landschaft im Vogtland mit einer Trassenbreite von 30 bis 50 Metern, statt wie angekündigt zwölf bis 15 Metern. Gemeinderatsmitglied Jens Meyer (FDP/Bürger für Langenwetzendorf)  geht  sogar noch einen Schritt weiter und spricht gegenüber der OTZ von 100 Metern und bezieht auch die notwendigen Baustraßen mit ein. Nachdem er bereits Anfang April von den Plänen erfahren hatte, machte er sich zusammen mit Parteikollegen und Bürgern daran, Widerspruchsformulare und Unterschriftensammlungen auszuhängen und vor allem in Zoghaus, Naitschau und Erbengrün mit den Anwohnern direkt in Kontakt zu treten. Viele hätten geschockt und verärgert reagiert, vor allem weil sie von den Plänen noch nichts wussten. „Es ist ein Eingriff in das Letzte, was wir hier in der Region noch haben, es gibt kaum Industrie und Tourismus. Was wir haben, ist die Natur – und die wird für ein wenig Geld zerstört", kritisiert Meyer und hofft durch großen Widerstand, der sich bereits in den gesammelten Stimmen ankündigt, Einfluss auf die Entscheidung der Bundesnetzagentur zu nehmen. Wie er kritisierten auch die anwesenden Bürger den späten Informationsfluss seitens  der Netzgesellschaft  50Hertz. Aktionen wie das Dialogmobil, das an einem Vormittag zwei Stunden lang in Weida zu finden war, seien eher Scheinveranstaltungen als praktikable Angebote an die arbeitende Bevölkerung. Kritik übten aber auch die Gemeinderatsmitglieder, nicht früher seitens der Gemeindeverwaltung informiert worden zu sein. Daraufhin verwies Kai Dittmann darauf, dass es vor dem offiziellen Schreiben der Vorwoche nur Gerüchte gegeben habe, die für ihn keine Legitimationsgrundlage für weitere Handlungen seien.Für schnelles Handeln sprachen sich aber auch die Bürger aus. „Was hat die Gemeinde vor, um die Bürger zeitnah auf die Situation aufmerksam zu machen?", warf eine Besucherin ein und wurde auf eine Veröffentlichung der Einwohnerversammlung, zu der auch Vertreter von 50Hertz geladen werden sollen, im nächsten Amtsblatt verwiesen. Geprüft werde auch, ob ein Widerspruchsformular rein rechtlich dort oder auch auf der Gemeindehomepage, die Jens Dietzsch (CDU) wegen der Dringlichkeit bevorzugte, machbar sei. Unterdessen sei jeder eingeladen, in der Gemeinde seien Unterschrift gegen die Pläne zu leisten. 

Auch der Vorschlag, Bundestagsabgeordnete aus dem Wahlkreis wie auch Landrätin Martina Schweinsburg (CDU) zur Unterstützung anzusprechen, stieß auf Zustimmung. Besorgten Grundstückseigentümern, die sich gegen die Trasse stellen wollen, sicherte Dittmann unterdessen die Unterstützung „bis zum Letzten" zu. „Die Gemeinde steht hinter jedem Grundstückseigentümer, der das ablehnen will." Langenwetzendorf wolle viele Schwierigkeiten für die Netzagentur er-zeugen, um eine Umlenkung des Korridores zu erzwingen, appellierte der Gemeinderat auch an die Einwohner, zur Antragskonferenz in Gera zu erscheinen, um den Protest zu verdeutlichen und Fachleute zu kontaktieren, um Gegenargumente zu sammeln. „Noch ist alles beeinflussbar, die Gemeinden können noch mitreden", erklärt unterdessen Axel Happe von 50Hertz und lädt Langenwetzendorfs Bürgermeister zum Dialog ein. Den Vorwurf der verspäteten Information kann der Sprecher der Netzagentur nicht nachvollziehen. Er verweist auf eine schriftliche Einladung an Dittmann zum Stopp des Dialogmobils in Weida. Die zuvor geplante Trassenführung habe sich als nicht praktikabel erwiesen, erklärt Happe, geht aber nicht auf Gründe ein. Die jetzige Variante sei die praktikabelste, doch letztlich entscheide die Bundesnetzagentur über den endgültigen Korridor. Das Verfahren dazu wird voraussichtlich bis Ende 2018 laufen, so lange sei auch das Mitreden der Gemeinden noch möglich, so Happe.

 

Den vollständigen geplanten Verlauf (hellgrauer Streifen) der Trasse können Sie auch unter folgendem Link abrufen. 

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